Gefurchter Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus)

frisch geschlüpfter Dickmaulrüssler
frisch geschlüpfter Dickmaulrüssler

Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist ein verbreiteter Schädling an vielen Zierpflanzen und Beerenobst.

Er wurde vermutlich aus Nordamerika eingeschleppt und hat sich in Deutschland zum bedeutendsten Schädling in Baumschulen entwickelt. Es gibt einige andere schädliche Arten der Gattung Otiorhynchus, wie Otiorhynchus armadillo (Kompakter Dickmaulrüssler), Otiorhynchus crategi (Gebüschdickmaulrüssler), Otiorhynchus ovatus (Erdbeerwurzelrüssler), Otiorhynchus rugosostriatus, Otiorhynchus salicicola (Weidendickmaulrüssler) Otiorhynchus smreczynskii (Fliederblattrüssler) und Otiorhynchus singularis, die teilweise einen ähnlichen Entwicklungsgang haben.

frisch geschlüpfter Dickmaulrüssler
frisch geschlüpfter Dickmaulrüssler

Beschreibung:

Der braun-schwarz gefärbte Käfer erreicht eine Länge von bis zu 1 cm. Seine Flügeldecken sind von tiefen Furchen geprägt und mit einander verwachsen, so dass er flugunfähig ist. Jedoch kann der Käfer erhebliche Strecken durch Laufen zurücklegen und auch gut klettern. Er ist nachtaktiv und versteckt sich tagsüber in Bodennähe, gern unter Töpfen, Brettern oder im Mulch. Der für die Käferfamilie typische Rüssel ist relativ kurz und breit. An seinem vorderen Ende entspringen die keulenförmigen geknieten, langen Fühler.

Das ernorme Vermehrungspotential ist durch die parthenogenetische (Jungfernzeugung) Entwicklung und die große Anzahl von Eivorräten (einige hundert bis über tausend Eier pro Weibchen) bedingt.

Die Larven sind weißlich gefärbt mit brauner Kopfkapsel und werden bis zu einem Zentimter lang. Sie ähneln Engerlingen, sind jedoch im Unterschied zu diesen beinlos.

(Nach Griegel 2009, modifiziert durch Hirsch 2012)

Entwicklung:

Ab Juli, in Abhängigkeit von Tageslichtlänge und Temperatur, werden die Eier in Pflanzennähe in den Boden abgelegt. Bevorzugt werden torfhaltige Substrate. Bei Temperaturen unterhalb von 11°C stagniert die Eiablage. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Larven und fressen dann an Pflanzenwurzeln, Knollen und Rhizomen ihrer Wirtpflanzen. Zur Überwinterung ziehen sich die Larven in tiefere Bodenschichten zurück. Mit steigenden Temperaturen wird im zeitigen Frühjahr weiter gefressen. Nach dem fünften Larvenstadium erfolgt die Verpuppung in einer Erdhöhle und ab Anfang Juni beginnen die Jungkäfer zu schlüpfen. Sie vollführen zunächst einen Reifungsfraß der zu typischen Blattschäden (Buchtenfraß, Ringelfraß) führt. Die adulten Käfer können bis zu drei Jahre alt werden und Eier legen. In Gewächshäuserrn verschiebt sich der Entwicklungszyklus klimabedingt, so dass alle Entwicklungsstadien zu jeder Jahreszeit vorhanden sein können.

 

Schaden:

Sowohl Käfer, als auch Larven richten Schäden an Kulturpflanzen an. Meist verrät der typische Blattfraß der Käfer ihre Anwesenheit. In Zierpflanzenkulturen sind angefressene Blätter als wertmindernd einzustufen, die Larven jedoch können das Wurzelsystem so stark beeinträchtigen, dass die Pflanze vertrocknet. Wie bei allen Wurzelschädlingen können Pilze und Bakterien an den Fraßstellen die Pflanze zusätzlich schädigen. Das käferbedingte Schadbild an Nadelgehölzen sieht anders aus. Hier wird die Rinde junger Triebe befressen und es kommt zum Absterben der Triebspitzen.

 

Wirtspflanzen:

Besonders Pflanzenarten aus folgenden Gattungen dienen Otiorhynchus-Arten als Wirte:

Sedum, Saxifraga, Sempervivum, Hortensia, Primula (Primeln), Rhododendron, Azalea,  Fragaria, Ligustrum (besonders Otiorhynchus smreczynskii), Cotoneaster (besonders Otiorhynchus crategii), Thuja (occidentalis, plicata), Juniperus, Taxus (Eibe), Syringa, Fraxinus, Forsythia, Lonicera, Viburnum, Weigelia, Euonymus, Potentilla, Rosa, Prunus, Spirea, Bergenia, Cornus, Lysimachia, Acer, Astilbe, Chamaecyparis, Corylus, Hedera, Fagus, Crategus, Ilex, Laurus, Mahonia, Picea, Abies, Carpinus, Rubus, Xanthocyparis, Pyracantha, Aesculus, Berberis, Buxus, Cissus, Kerria, Paeonia, Spirea, Syringa, Symphoricarpos, Thujopsis.

 

Besonders häufig befallene Pflanzenarten (deutsche Namen):

Alpenrose, Azaleen, Bergenie, Efeu, Eibe, Erdbeere, Fuchsie, Geranie,  Hortensie, Himbeere, Kirschlorbeer, Kletterhortensie, Lebensbaum, Pfingstrose, Primel, Rose, Rhododendron, Weinrebe, Wilder Wein, Zwergmispel sowie viele weitere Stauden und Steinbeetpflanzen.

 

Standorte, die oftmals unter Befall leiden:

Gewächshäuser, Wintergärten, Dachbegrünungen und Dachgärten sowie Container, Blumenkästen und Topfkulturen, da hier höhere Bodentemperaturen die Entwicklung des Schädlings begünstigen.

 

Natürliche Feinde:

Verschiedene räuberische Insekten, die am Boden jagen, insbesondere Laufkäfer-Arten, Vögel wie Krähen und Hühnervögel aber auch Säugetiere wie Spitzmaus, Maulwurf, Igel fressen die Larven. Eidechsen und Kröten fange Käfer am Boden. Unter den Mikroorganismen spielen neben einigen Arten von Pilzen und Bakterien eine Rolle. Vor allem Fadenwürmer (Nematoden) können die Larven und Käfer erheblich dezimieren.

 

typischer Buchtenfraß an Efeu
typischer Buchtenfraß an Efeu

Bekämpfung:

Einsatz von entomophagen Nematoden der Arten Heterorhabditis bacteriophora oder Heterorhabditis megidis. Die Nematoden dringen in Körperöffnungen der Larven ein, geben dort ein Bakterium frei, das die Schädlinge innerhalb weniger Tage zum Absterben bringt. Da die Käfer in der Lage sind, über mehrere Jahre Eier zu legen empfiehlt sich ein jährlicher Einsatz über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren. Neu ist eine Methode, die Nematoden-Art Steinernema carpocapsae zur Infektion der adulten Käfer einzusetzen.