Schnaken - Trauermücken - Haarmücken

Zweiflügler DIPTERA

 

Es gibt schätzungsweise weltweit 85.000 Arten mit etwa 8.000 in Mitteleuropa.

Pflanzenschädlich sind immer, wie bei den LEPIDOPTERA, die Larven. Die madenförmigen, beinlosen Larven der phytophagen Arten fressen mit ihren hakenförmigen Mundwerkzeugen an den Wurzeln oder fressen sich auch in das Pflanzengewebe ein. Die Imagines verfügen nur über ein Flügelpaar (namensgebend), das hintere Flügelpaar ist zu Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet, die beim Flug stabilisierend wirken. Der Körper ist deutlich 3-teilig in Kopf, Brust und Hinterleib separiert. Die Mundwerkzeuge sind stechend-saugend oder leckend-saugend. Dipteren sind holometabole Insekten und vollführen eine vollständige Verwandlung über ein Puppenstadium (Tönnchenpuppe).

 

(Bild links) Schwarze Kammschnake (Tanyptera atrata) wird auch als Holzschnake bezeichnet, da die Larven sich in morschem Holz entwickeln.

Daher ist diese Art nicht als Bodenschädling zu bezeichnen.


 

Schnaken (Fam. Tipulidae)

Die erwachsenen Mücken sind große Insekten mit langen Beinen. Sie fliegen meist erst in den Abendstunden der Sommermonate. In Ruhestellung sind die Flügel schräg vom Körper abgespreizt. Die Weibchen verfügen über einen am Hinterleibsende befindlichen Legebohrer. Die adulten Mücken sind mit ihren leckend-saugenden Mundwerkzeugen Blütenbesucher, schädlich werden nur die Larven phytophager Arten.

 

Wiesen- oder Sumpfschnake (Tipula paludosa)

Die 17 bis 25mm langen Mücken haben einen bräunlichen Hinterleib. Brust und Kopf sind grau. Die Länge der Flügel ist deutlich kürzer als der Hinterleib. Zwischen Mitte August und Ende September legen die Weibchen ihre Eier in den Boden, knapp unter der Oberfläche ab, insgesamt 300 Eier in Gelegen zu 5 bis 6 Stück. Nach zwei Wochen schlüpfen die walzenförmigen,  beinlosen Larven, die im feuchten Boden an Wurzeln, Knollen und Rhizomen verschiedener Pflanzenarten fressen. Typisches Merkmal ist die Teufelsfratze, eine an ein Gesicht erinnernde Anordnung von zwei Atemöffnungen, umgeben von sechs Fortsätzen am Hinterleib. Aufgrund ihrer lederartigen Haut werden sie im englischen Sprachgebrauch auch als leatherjackets bezeichnet. Der Hauptschaden wird durch die großen Larven im Frühjahr angerichtet. Über Nacht verlassen die Larven teilweise den Boden und fressen bodennahes Blattwerk an.

Eine weitere Art, die etwas kleinere Kohlschnake (Tipula oleracera) fliegt von April bis Juni, die zweite Generation von August bis Oktober. 

 

Eine Bekämpfung beider Tipula-Arten ist mit räuberischen Nematoden der Arten Steinernema carpocapsae sowie Steinernema feltiae im September möglich, da dann die ersten beiden Larvenstadien der Schädlinge vorhanden sind.

 

 

 

Puppenhülle (leere Puppe) einer Wiesenschnake, das adulte Tier ist bereits geschlüpft. Die Extremitäten sind deutlich sichtbar.

 

Haarmücken

Die Familie der Haarmücken umfasst ca. 400 Arten, wovon die in Mitteleuropa wichtigste Art die Gartenhaarmücke (Bibio hortulans) ist. Daher wird die nachfolgende Beschreibung sich auf diese Art beziehen.

 

Beschreibung

Die Larven fressen gern gesellig im Boden. Sie sind bis 20mm lang, raupenähnlich jedoch ohne Beine. Die relativ kleine Kopfkapsel ist dunkel gefärbt und verfügt über kräftige Mundwerkzeuge. Typisch sind die längs zum Körper verlaufenden Reihen aus weichen Dornen. Die nach der Verpuppung im Mai schlüpfenden Mücken sind leicht mit Fliegen zu verwechseln. Sie sind schwarz gefärbt und stark behaart. Die Fühler sind kurz und gedrungen. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage bis etwa Mitte Juni. Ein Weibchen legt zirka 100 Eier klumpenweise in den Boden ab. Humusreiche oder mit Stallmist gedüngte Böden werden bevorzugt. Die Larven überwintern in 5 bis 10cm Bodentiefe und verpuppen sich im April des kommenden Jahres.

 

Schaden

Schädlich werden nur die Larven, die Mücken sind Blütenbesucher. Bevorzugt wird zersetzendes organisches Material und Stalldung gefressen. Erst bei Nahrungsmangel oder Trockenheit werden Haarmückenlarven schädlich. Dann können Kartoffelknollen, Rüben und andere unterirdische Pflanzenteile geschädigt werden. In feuchten Nächten können die Larven den Boden verlassen und auch an oberirdischen Teilen junger Pflanzen fressen.

 

Bekämpfungsmaßnahmen

Eine Bekämpfung ist, falls nötig, mit räuberischen Nematoden der Art Steinernema feltiae möglich. Wenn Stalldung oder anderes organische Material ausgebracht wird, sollte dieses gut eingearbeitet werden.

Trauermücken

Es kommen verschiedene Arten unter diesem Überbegriff vor, die zu den Gattungen Bradysia und Lycoriella gehören. Die Larven ernähren sich von verrottendem organischen Material, Algen und Pilzhyphen im Boden, können jedoch insbesondere auch in Sämlings- und Stecklingskulturen oder bei Massenbefall an Pflanzen schädlich werden. Trauermücken bevorzugen hohe relative Luftfeuchten und Temperaturen.

 

Beschreibung: Die adulten Tiere sind 3 bis 5 mm lange Mücken mit dunklen Flügeln und langen Fühlern. Ihr Flug wirkt taumelnd und ungerichtet. Trauermücken-Larven sind beinlose, weißlich bis durchsichtige Maden mit schwarzer Kopfkapsel. Sie erreichen eine Länge von 5 bis 7 mm. Aufgrund ihrer kurzen Entwicklungszeit können viele Generation im Jahr entstehen und sie sich dadurch erheblich vermehren. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage in den Boden, wobei die Eier in Ballen oder Schnüren abgelegt werden.

 

Lebenszyklus:

Die Entwicklung von der Eiablage bis zum der adulten Mücke dauert bei 20°C ca. 22 Tage. Die ersten Larven schlüpfen 4 Tage nach der Eiablage. Die Larvalentwicklung verläuft über vier Larvenstadien und benötigt 14 Tage bis zur Verpuppung. Adulte Mücken schlüpfen nach einer 4 tägigen Puppenruhe.

 

Schaden: Die Larven der Trauermücken fressen an den jungen Wurzeln und dringen in Pflanzengewebe ein. Dabei übertragen Sie häufig pilzliche Krankheitserreger. In sämlings- und Stecklingskulturen sollte ein vorbeugender Einsatz biologischer Maßnahmen gegen Trauermücken in das Kulturprogramm integriert werden. In Topfkräuterkulturen gelten die adulten Trauermücken eher als Lästlinge, die beim Verkauf stören.